Regentonne stinkt – warum riecht das gesammelte Regenwasser?

Es fängt meistens im Sommer an. Man greift zur Gießkanne, taucht sie in die Regentonne – und zieht die Nase kraus. Das Wasser riecht modrig, muffig, manchmal sogar richtig faulig. Dabei hat man nur Regenwasser gesammelt. Was soll daran schlecht sein?

Ziemlich viel, wenn die Bedingungen stimmen. Eine Regentonne ist ein geschlossener oder halboffener Behälter mit stehendem Wasser, organischem Eintrag von oben und kaum Luftzirkulation. Das reicht, um innerhalb weniger Wochen einen unangenehmen Geruch zu entwickeln – besonders im Sommer.

Stehendes Wasser und fehlender Sauerstoff

Das Grundproblem ist simpel: Stehendes Wasser kippt. Nicht sofort, aber mit der Zeit. Ohne Bewegung und ohne Sauerstoffzufuhr beginnen anaerobe Bakterien organisches Material abzubauen. Dabei entstehen Schwefelverbindungen und andere Stoffwechselprodukte, die genau diesen charakteristischen Faulgeruch erzeugen.

In einer Regentonne passiert das schneller als in einem unterirdischen Tank, weil die Temperaturen oberirdisch stärker schwanken. Wärme beschleunigt den mikrobiellen Abbau erheblich – und ein schwarzer Kunststoffbehälter in der Sonne kann das Wasser im Innern auf Temperaturen bringen, bei denen Bakterien und Algen ideale Bedingungen vorfinden.

Was bringt den Geruch ins Wasser?

In den meisten Fällen ist organischer Eintrag der Ausgangspunkt. Über das Fallrohr vom Dach gelangt nicht nur Regenwasser in die Tonne – es kommen auch Laubreste, Moos, Vogelkot, Pollen und Feinstaub mit. Wer keinen Filter am Zulauf hat, sammelt all das direkt im Behälter.

Dieses Material setzt sich am Boden ab. Mit der Zeit entsteht eine Schlammschicht, die zunehmend fault. Gleichzeitig bildet sich an den Innenwänden ein Biofilm – eine schleimige Bakterienschicht, die auch dann Geruch erzeugt, wenn das Wasser selbst klar aussieht.

Ein weiterer Faktor, den viele nicht auf dem Schirm haben: der Deckel. Viele Regentonnen haben keinen vollständig dichten Deckel – entweder gar keinen, oder einen, der Licht durchlässt. Lichteinfall fördert Algenwachstum. Algen verändern den Geruch des Wassers deutlich, vor allem wenn sie absterben und sich zersetzen.

Warum der Geruch im Sommer schlimmer wird

Im Frühjahr riecht die Tonne oft noch neutral. Dann kommen die ersten warmen Wochen, und plötzlich ist der Geruch da. Das ist kein Zufall.

Wärme beschleunigt jeden biologischen Prozess im Behälter. Bakterien vermehren sich schneller, organisches Material wird schneller abgebaut, Algen wachsen zügiger. Was im April noch harmlos war, ist im Juli ein aktiver Faulprozess. Wer die Tonne nie reinigt, erlebt dieses Muster jedes Jahr erneut – und wundert sich jedes Mal.

Geruch trotz frischem Regen

Ein häufiges Missverständnis: „Es hat gerade geregnet, das Wasser muss frisch sein.“ Tatsächlich verdünnt frischer Regen nur das bereits belastete Wasser. Er spült außerdem neue organische Partikel vom Dach nach. Der Schlamm am Boden bleibt, der Biofilm an den Wänden bleibt – das Wasser wirkt kurzzeitig klarer, riecht aber nach kurzer Zeit wieder genauso.

Was hilft gegen den Geruch?

Der einzige Weg, den Geruch dauerhaft zu beseitigen, führt über eine gründliche Reinigung. Das Wasser muss vollständig abgelassen, der Bodenschlamm entfernt und die Innenwände geschrubbt werden. Wie das konkret geht, steht im Artikel zur Regentonne reinigen – Schritt für Schritt.

Wer die Tonne danach regelmäßig in Betrieb hat und einen einfachen Laubfilter am Zulauf nachrüstet, wird den Geruch in den meisten Fällen nicht mehr als ernstes Problem erleben. Ein Zulauffilter hält den größten Teil des organischen Eintrags ab – und das ist die eigentliche Ursache, nicht das Regenwasser selbst.

Die Regentonne ist kein Ausnahmefall. Dasselbe Prinzip gilt für jeden Behälter, in dem Regenwasser steht – ob Kunststofftonne, unterirdischer Tank oder gemauerte Zisterne. Stehendes Wasser mit organischem Eintrag und Wärme ergibt über kurz oder lang immer denselben Geruch.